Königin Olga, die Namensgeberin der Olgakrippe

Die Olgakrippe steht heute als moderner neuer Bau in der Taubenheimstraße.

Olgakrippe heute (Foto privat)

Auffällig ist das Bild von Königin Olga auf dem Fenster im obersten Stockwerk, das man vom Kurpark aus sehr gut sehen kann. Wer war die Namensgeberin für diese Kita und warum hat sie ihren Namen erhalten?

Der Krippe ist bereits im Mai 1875 gegründet worden. Damals war Württemberg ein Königreich und das Herrscherpaar hieß Karl und Olga. Träger der Olgakrippe ist seit dieser Zeit zwar ein Verein (heute Olgakrippe Bad Cannstatt e.V.), aber Königin Olga übernahm damals die Schirmherrschaft. Sie galt als sehr kinderlieb, auch wenn sie keine eigenen Kinder bekommen konnte, und hat sich bis zu ihrem Tod um die Olgakrippe gekümmert.

Wer war Olga? Wo kam sie her?

Olga von Württemberg (Franz Xaver Winterhalter)

Olga war die Tochter von Zar Nikolaus I. von Russland und seiner Ehefrau Charlotte von Preußen. Sie kam also aus einer der ersten Familien des damaligen Europa. Sie wurde am 11. September 1822 geboren und hatte sechs Geschwister.

Da sie sehr schön war, gingen die Eltern davon aus, dass sie für ihre Tochter eine gute Partie finden könnten. Aber Olga verliebte sich das ein oder andere Mal in nicht standesgemäße Männer, mit denen ihre Eltern nicht einverstanden waren. Der Schwiegersohn des Zaren von Russland sollte schon aus bestem Hause sein.

Das konnte Karl, der Kronprinz von Württemberg, bieten. Er war der einzige Sohn von Wilhelm I. von Württemberg. Die Väter von Karl und Olga waren Cousins und hatten Interesse an einer weiteren Verbindung zwischen Württemberg und Russland. Allerdings war allgemein bekannt, dass Karl homosexuell war. Da dies bereits zu Gerede geführt hatte, wollten seine Eltern ihn baldmöglichst verheiraten.

Karl als Kronprinz von Württemberg

Karl und Olga lernten sich bei einem Kuraufenthalt kennen, und auch wenn es nicht Liebe war, so entdeckten sie doch gemeinsame Interessen: die Kunst, die Musik und die Architektur. Sie heirateten im Juli 1846 in Petersburg und zogen drei Monate später als umjubeltes Brautpaar in Stuttgart ein. Das Volk erhoffte sich eine ähnlich erfolgreiche Königin wie Katharina von Württemberg, ihre Tante. Denn in Stuttgart herrschten auch in diesen Jahren Hungersnöte aufgrund von Missernten. Die Stimmung war aufrührerisch, es kam u.a. zu den bekannten Brotkrawallen, bei denen die Frauen für bezahlbares Brot auf die Straße gingen. Zunächst setzte König Wilhelm auf Härte und Einschüchterung. Nach der Revolution 1848 war er dann allerdings gezwungen Liberalisierungen einzuführen.

Königin Olga macht Sozialpolitik

1864 starb Wilhelm und Karl wurde zum württembergischen König gekrönt.

Olga arbeitete als Königin ähnlich wie ihre Tante Katharina auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege, sie übernahm die Sozialpolitik. Bereits 1847 hatte sie die Schirmherrschaft für die Stuttgarter Heilanstalt für Kinder, den Vorläufer des heutigen „Olgäle“, übernommen. 1849 wurde das Krankenhaus in Olga-Heilanstalt umbenannt und 1882 wurde mit finanzieller Unterstützung der Königin der Neubau errichtet. Es war eines der ersten Kinderkrankenhäuser überhaupt. Für die Kinder der armen Familien war die Behandlung kostenlos.

Zum Gedenken an ihren Vater Zar Nikolaus I., zu dem sie ein sehr inniges Verhältnis hatte, gründete Olga nach seinem Tod 1855 die Nikolaus-Pflege als Hilfe für Blinde.

Das „Postdörfle“

1869 ließ das Königspaar das sogenannte „Postdörfle“ in Stuttgart-Nord, in der Nähe des Hauptbahnhofs, für 200 Familien von Bediensteten der württembergischen Verkehrsbetriebe errichten.

Olga übernahm das Protektorat des Schwäbische Frauenvereins, der 1873 gegründet worden war. Ziel des Vereins war die Förderung der Frauenbildung, insbesondere der praxisorientierten Bildung, um den Frauen eine Berufstätigkeit zu ermöglichen.

Und in diese Zeit fiel nun auch die Gründung der Olga-Krippe 1875.

Schwierige Ehe zwischen Karl und Olga

Die Ehe von Olga und Karl war problematisch. Die Homosexualität ihres Mannes, der immer wieder Affären hatte, belastete ihr Verhältnis. Die Kinderlosigkeit wurde ihr zur Last gelegt: sie hungere zu viel. 1863, nach 17 kinderlosen Ehejahren, adoptierte Olga ihre Nichte Wera. So war eine Art Familienleben für sie möglich.

1883 verliebte sich Karl in den Amerikaner Charles Burger Woodcook, einen Vorleser von Olga. Karl überhäufte ihn mit Geschenken und gewährte ihm Einblick in geheime Papiere. Es kam zum Skandal und Karl, der auch schon vorher seine Regierungsgeschäfte oft schleifen gelassen hatte, verließ Stuttgart. Zeitweilig erwog der deutsche Kaiser, der nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 erheblichen Einfluss hatte, die Absetzung des württembergischen Königs.

1891 kam Karl schwerkrank nach Stuttgart zurück und starb noch im gleichen Jahr. Ein Jahr später starb auch Olga.

Elisabeth Skrzypek

Literatur

  • Gabriele Katz: Königin Olga von Württemberg, Großfürstin von Russland. „Sie ist so herzig mit den Kleinen, bekümmert sich um alles“. In: Gabriele Katz: Stuttgarts starke Frauen. Darmstadt 2015, S. 24–33.
  • Detlef Jena: Königin Olga von Württemberg. Glück und Leid einer russischen Großfürstin. Regensburg 2009.
  • Petra Durst-Benning: Die Zarentochter (Historischer Roman), München 2009.
  • Petra Durst-Benning: Die russische Herzogin (Historischer Roman), München 2010.

Bildnachweis

Text über Königin Katharina, die Tante von Olga, folgt.